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Football and money (Foto: pogonici / Fotolia.com)

Es geht um Millionen: Die Fußballindustrie

21. Mai 2017 | 10:43 Autor: Martin Brosy Österreich

Reutlingen (D) Jahr für Jahr vermeldet die deutsche Fußball-Bundesliga neue Rekordumsätze. Dass die Gelder allerdings nicht alleine durch den Karten-, Wurst- und Bierverkauf im Stadion zusammenkommen, dürfte jedem klar sein. Um einen Profi-Fußballverein erfolgreich zu gestalten, muss der Klub mehr und mehr als Wirtschaftsunternehmen geführt werden. Doch wie setzen sich Einnahmen und Ausgaben der Bundesliga-Vereine zusammen? Und warum droht die Bundesliga im internationalen Vergleich trotz steigender Umsätze allmählich den Anschluss zu verlieren? Wir geben Antworten auf die wichtigsten finanziellen Fragen der deutschen Fußball-Bundesliga.

Sport und Wirtschaft gehen Hand in Hand
„Sportliche Topleistungen erfordern eine solide wirtschaftliche Basis“, so heißt es im Bundesliga-Report aus dem Jahr 2015 (hier geht es zum offiziellen Dokument). Die umfassende Ausarbeitung der DFL, der Deutschen Fußball Liga, befasst sich intensiv und ausführlich mit dem Finanzstatus der 18 deutschen Vereine aus dem Fußball-Oberhaus.

Zugrunde liegen dem Bericht die Kennzahlen der Mannschaften der 1. und 2. Bundesliga aus dem Jahr 2013/2014. Insgesamt konnte die Bundesliga ihren Gesamterlös innerhalb von sieben Jahren um eine Milliarde Euro steigern. Da die Vereine infolge des Lizenzierungsverfahrens ihre Finanzströme der DFL Jahr für Jahr offenlegen müssen, hat der Ligaverband sehr konkrete Einsicht in den Finanzstatus aller Fußballklubs.

Hier fällt auf, dass in den Bereichen „mediale Verwaltung“ und „Werbung“ am meisten finanzielles Potential zu finden ist. Erst kürzlich konnte sich zum Beispiel die Hertha aus Berlin über einen neuen zahlungskräftigen Sponsorendeal mit dem Sportwettenanbieter Bet-at-home freuen. (Genauere Informationen gibt es hier.)

Den durchaus rentablen Einnahmen stehen selbstverständlich auch Ausgaben gegenüber. Hierbei fällt besonders ins Auge, dass der Aufwand für die Personalkosten den größten Posten ausmacht. Danach folgt der ominöse Posten „Sonstiges“, der mehr als ein Viertel der Ausgaben ausmacht. Dahinter verstecken sich die Kosten für Spielerberater. Wie sich diese konkret zusammensetzen, bleibt allerdings ein gut gehütetes Betriebsgeheimnis.

Aufwand der Bundesligaklubs

KategorieAufwand in Millionen EuroAnteil am Gesamtaufwand in Prozent
Personal Spielbetrieb (Trainer, Spieler)899.99237,38
Personal Handel Verwaltung163.2776,78
Transfers318.05313,21
Spielbetrieb303.62612,61
Jugend/Amateure/ Leistungszentren90.1833,75
Sonstiges632.32226,27

Quelle: Bundesliga Report 2015

Offenlegung von Bilanzen keine Pflicht
Deutsche Vereine wirtschaften verantwortungsbewusst. Damit rühmt sich die Bundesliga im internationalen Vergleich. Die italienische Serie A beispielsweise ist mit 1,7 Milliarden Euro verschuldet, Tendenz steigend. Die spanische Profiliga steht sogar mit 2,8 Milliarden Euro in der Kreide. Im deutschen Fußball-Oberhaus haben in der vergangenen Saison gerade einmal fünf Vereine rote Zahlen geschrieben.

Allerdings erscheint dieser Umstand dennoch etwas dubios. Die TSG 1899 Hoffenheim wies beispielsweise einen Gesamtumsatz von 66 Millionen Euro aus, notierte jedoch einen operativen Verlust von knapp 12 Millionen Euro. Wie genau diese Rechnung aufgehen kann, bleibt fraglich, denn ihre Bilanzen müssen die Vereine aufgrund ihres rechtlichen Status nicht zwangsweise publik machen.

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VereinRechtsformArt des Abschlusses
FC Bayern MünchenAGKonzernabschluss
Eintracht FrankfurtAGEinzelabschluss
TSG 1899 HoffenheimGmbHEinzelabschluss
Borussia MönchengladbachGmbHEinzelabschluss
Borussia DortmundGmbH & Co. KGKonzernabschluss
Hannover 96GmbH & Co. KGEinzelabschluss


Borussia Dortmund oder Werder Bremen als GmbH & Co. KG sind zur Offenlegung verpflichtet. Hoffenheim oder Gladbach werden als GmbH geführt, sind somit rechtlich unabhängige Einheiten und können zur Veröffentlichung ihrer Geschäftsausgaben nicht gezwungen werden.

Bundesliga kämpft um neue TV-Deals
Eine nicht unwesentliche Einnahmequelle für deutsche Fußballklubs sind die Fernsehgelder. Leider wurde diesbezüglich in den letzten Jahren einiges verschlafen. In der englischen Premier League dürfen die Vereine besonders hohe Erlöse aus der Veräußerung der Fernsehrechte erhoffen. Hier winken zukünftig mehrere Milliarden Euro. Präzise erhalten die Klubs 3,2 Milliarden Euro pro Jahr. Die Bundesliga befürchtet nicht nur den Anschluss zu verlieren, sondern auch den Verlust ihrer Topstars.

Fernsehgelder der 1. Fußball-Bundesliga aus der Saison 2014/2015 in Euro

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PlatzVereinGesamtTV-Gelder (National)TV-Gelder PlatzierungTV-Gelder International
1.Bayern München50.605.37837.236.0003.000.00010.369.378
2.Borussia Dortmund42.559.55536.273.0001.250.0005.036.555
3.Schalke 0441.883.45934.347.0001.500.0006.036.459
4.Bayer Leverkusen41.457.75135.310.0002.000.0004.147.751
5.Hannover 9636.004.10032.421.0001.250.0002.333.100
6.Borussia Mönchengladbach35.624.67033.384.0001.500.000740.670
7.VfL Wolfsburg35.170.07231.485.0002.500.0001.185.072
8.VfB Stuttgart32.976.71428.504.8001.250.0003.221.914
9.FSV Mainz 0531.819.06730.495.0001.250.00074.067
10.SC Freiburg31.152.33529.532.0001.250.000370.335
11.Werder Bremen30.589.14227.413.4001.250.0001.925.742
12.Hamburger SV27.843.40725.038.0001.250.0001.555.407
13.1899 Hoffenheim27.607.00026.357.0001.250.000

0

14.Eintracht Frankfurt26.040.93823.754.0001.250.0001.036.938
15.FC Augsburg23.970.00022.470.0001.500.0000
16.Hertha BSC23.102.60321.186.0001.250.000666.603
17.1. FC Köln21.152.00019.902.0001.250.0000
18.SC Paderborn19.868.00018.618.0001.250.0000

Quelle: fussball-geld.de

Der englische Tabellenletzte Cardiff City erhielt in der vorletzten Saison 76,2 Millionen Euro aus TV-Geldern. Der deutsche Rekordmeister Bayern München musste sich 36,9 Millionen Euro zufriedengeben. Wenn ein englischer Verein zukünftig einem Spieler das Zwei- bis Dreifache an Gehalt zahlen kann, werden deutsche Vereine das Nachsehen haben. Ablösesummen, die sich in England bereits jetzt auf gigantisch hohem Niveau bewegen, werden weiter in die Höhe schnellen. Mehr als 100 Millionen Euro für einen Spieler zu bezahlen, erscheint keine Utopie mehr.

Der Grund für das englisch-deutsche Missverhältnis liegt im Pay-TV-Angebot. In England sind die Fans es gewohnt, für Spiele im Fernsehen zahlen zu müssen. Deutsche Fußballfans hingegen verlassen sich seit Jahren darauf, dass sie die Zusammenfassung der Spiele pünktlich um 18 Uhr kostenlos in der Sportschau auf ARD sehen dürfen. (Weitere Informationen zum englischen TV-Deal)

Das Pay-TV-Missverhältnis aus England und Deutschland
In England herrscht eine größere Pay-TV-Kultur. Auf der britischen Halbinsel gibt es 11 Millionen Pay-TV-Abonnenten, hierzulande lediglich 4,1 Millionen.
Die „Sportschau“ liefert sämtliche Spiele in der Live-Zusammenfassung, was Pay-TV-weniger attraktiv macht. Mit 105 Millionen Euro zahlt die „Sportschau“ aber weniger als ein Viertel der Summe, die der Pay-TV-Anbieter Sky den Bundesligaklubs offeriert, nämlich 486 Millionen Euro.

In England bietet sich die Pay-TV-Konkurrenz gegenseitig hoch. In Deutschland ist Sky der einzige Anbieter. Als die Telekom den Nachfragemonopolisten attackierte, musste der Telekommunikationsanbieter nach kurzer Zeit aufgeben.

Der englische TV-Deal ist gültig ab der nächsten Saison bis 2019. Zum Vergleich: Die Bundesliga muss sich unter allen Vereinen in der Saison 2016/2017 mit 835 Millionen Euro zufrieden geben, die dann auch noch ungerecht verteilt werden, so die Meinung mancher Vereinsbosse, die für die kommenden Spielzeiten einen Diskurs (ausführliche Informationen zum Fernsehgeld-Streit) rund um die Verteilung der Fernsehgelder anstreben, die dann nicht mehr nach Leistung, sondern auf Grundlage der Zuschauernachfrage verteilt werden sollen.

  • (Quelle: Eigene Darstellung / wirtschaftszeit.at)
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